Quellen (kursiv sind Original-Inhalte):
- Dr. Richard Patscheider: „Vom Oberrhein zum Etschquellraum“, Seite 164:
Wappenbrief (Gamswappen) 3. VIII. 1693 geben i.d. Kayserlich Erzfürstlichen Statt Botzen
(genau so steht es wortwörtlich auf Seite 164)
Im Buch folgt obiger Originaltext in lesbarer Form.
- Dr. Richard Patscheider: „Vom Oberrhein zum Etschquellraum“, Seite 165:
Anm: Dies Wappen deckt sich mit dem der Überrheiner, die im 16.Jh. ausgestorben sind; es wird in unserem Grnezraum
nicht selten mit dem Steinbock-Wappen verwechselt.
Das Original des Gamswappenbriefs besitzt Harold Klaus Patscheider in Büderich bei Düsseldorf, unbeschadet des
Anspruchs von Irimbert Patscheider in Steyr Oberösterreich, dem Führer der Stammlinie, als Sohn des Dr. med. Anton
Patscheider.
- Dr. Richard Patscheider: „Vom Oberrhein zum Etschquellraum“, Seite 133:
Das Löwenwappen mit den 3 Rosen wurde 1691 an die genannten Batscheider verliehen, ehe das Gams-Wappen an den Gabriel 2,
Gerichtsverpflichter und Anwalt, 1693 ins LG Nauders kam; es lautete aber dieser Gams-Wappenbrief nicht nur auf den
„firnemb Gabriel Patscheider in Langtaufers“, sondern auch auf „dessen eheleibliche Gebriedere die ehrsamen Hans und
Jakob und deren verstorbenen Brueders Toman ßeelig hinterlassenen ehel. Sohne mit Namen Florin und Paul“, und auf der
Genannten eheleibliche Nachkommenschaft; es war sozusagen ein Trostbrief für die bisher „zu kurz gekommenen Langtauferer
Scheider“.
Kommentar:
Dr. Richard Patscheider hat den Text seinerzeit wortgetreu vom Wappenbrief
abgeschrieben und in seinem Buch „Vom Oberrhein zum Etschquellraum“ veröffentlicht. Alle Textpassagen konnten
offenbar auch von ihm nicht entziffert werden, diese Teile sind mit Punkten aufgefüllt. Diesen Text aus dem
Buch habe ich hier übernommen.
Mit Harold Klaus Patscheider ist der Sohn von Richard gemeint, von dem ich in den 90er
Jahren das Wappen persönlich übernommen habe, damals aber wohnte er in Herne.
Aus dem Wappenbrief geht damit eindeutig hervor, dass alle Nachkommen des Patscheider
Gabriels sowie seine Brüder Hans, Jakob und Thoman das Wappen führen dürfen. Dies gilt sowohl für männliche
als auch für weibliche Nachkommen. Das hat zwar in der heutigen Zeit keine Bedeutung mehr, aber in Konsequenz
mit männlichen und weiblichen Nachkommen dürften das inzwischen einige hundert, wenn nicht tausende Personen sein.
Wem das Original des Wappenbriefs zusteht, ist meiner Meinung nach nicht geregelt.
Laut Dr. Richard Patscheider steht es mir zu.
Ob ich tatsächlich der jeweils erstgeborene
männliche Nachkomme von Gabriel Patscheider bin ist nicht gesichert. Betrachtet man den Stammbaum genauer,
kommen auch einige andere in Frage.
Familiengeschichte:
Zur Abholung des Wappens gibt es eine kleine Anekdote:
Mein Onkel Richard schrieb anlässlich meiner Geburt einen Brief an mich, in dem er festhielt, dass ich der
rechtmäßige Besitzer des Wappens sei. Sein Sohn Harold war darüber nicht erfreut. Kurzerhand sandte er den
Wappenbrief als Paket an meinen Vater Irimbert. Man muss sich die damalige Zeit (1956) vor Augen führen:
Es gab kaum Telefonverbindungen, und Österreich und Deutschland waren durch strenge Grenzkontrollen getrennt.
Der österreichische Zoll beschlagnahmte das Paket. Irgendwie gelang es den Zollbeamten, meinen Großvater
Ludwig Vorderwinkler zu erreichen, der damals Postbeamter war und als solcher dienstlich über ein Telefon verfügte.
Sie fragten ihn nach dem Wert des Pakets. Mein Großvater meinte, völlig überrumpelt, dass es eine „Menge“ wert
sein müsse. Daraufhin setzten die Zollbeamten einen hohen Einfuhrzoll fest.
Mein Vater war nicht bereit oder konnte damals die geforderte Summe nicht aufbringen. Das Paket ging daher
zurück zu Harold nach Deutschland. Die Aufregung in der Familie und insbesondere bei Onkel Richard
muss damals groß gewesen sein.
Als ich dann in den 1980er Jahren selbst eine Familie gründete, erinnerte ich mich an den Brief von Onkel
Richard (der 1971 verstorben war) und begann, in der Verwandtschaft nachzufragen, wo sich dieses Wappen befand
und wie ich dazu kommen könnte. Offenbar sprach sich dies bis nach Deutschland herum, denn eines Tages erhielt
mein Vater, meiner Erinnerung nach Mitte der 1980er Jahre, völlig unerwartet einen Anruf von Harold. Er teilte
ihm mit, dass wir den Wappenbrief jederzeit bei ihm in Herne abholen könnten.
Am nächsten Tag setzten sich mein Vater und ich ins Auto und fuhren nach Herne. Meiner Erinnerung nach
dauerte die Fahrt etwa acht Stunden. In Herne angekommen, umarmten sich mein Vater und „Rolli“, so nannte mein
Vater Harold, da sich die beiden aus Kindertagen kannten. Wir verstanden uns gut. Ich erstattete Harold
seine Unkosten in Höhe von 500 DM in bar für die staubfreie Rahmung des Wappenbriefs.
Da wir wegen einer Messe kein Zimmer mehr bekommen konnten,
stiegen wir nach etwa einer Stunde wieder ins Auto. Der Wappenbrief lag im Kofferraum, sorgfältig in eine Decke
eingehüllt, und so fuhren wir noch am selben Tag wieder nach Hause. Die Grenze bei Passau passierten wir lange
nach Mitternacht. Wir wurden einfach durchgewunken, womit sich auch die Frage nach dem Zoll erledigt hatte.